Elektromobil in Bus und Bahn? Möglich - unter 10 Bedingungen

Die gute Nachricht zuerst: Busse und Bahnen müssen Elektromobile wieder mitnehmen - so die seit dem 15. März geltende Neuregelung. Ab sofort sind Verkehrsbetriebe in der Pflicht, ihre Fahrzeuge passend umzurüsten. Die schlechte: Nicht jedes Seniorenmobil erfüllt die Mindestbedingungen für die Mitnahme. Wie sehen diese aus? Und welche Fabrikate qualifizieren sich zum Mittransport?

Achtung! nun ist es endlich möglich! Update 20.03.18: Elektromobilmitnahme nun offiziell möglich, lesen Sie hier!

Elektromobil fährt mit? 10 Voraussetzungen

Auch nach der Einigung von Bund und Ländern reißt die Debatte um eine Diskriminierung von Elektromobil-Nutzern bei der Beförderung, verglichen mit Fußgängern oder Rollstuhlfahrern, nicht ab. Denn wer dem regeltreuen Hilfsmittel den Transport versagt, beschneidet damit Lebensqualität und Rechte von Personen, die darauf angewiesen sind. Diese Voraussetzungen muss Ihr Senioren Elektromobil bzw. müssen Sie erfüllen, damit Ihr Busfahrer sein Okay gibt:

- vier Räder (oder mehr) für die Kippsicherheit
- Maximallänge 120 cm für gute Rangierbarkeit
- wiegt inklusive Fahrer maximal 300 kg
- ohne gefährliche Anbauten (was dazu zählt, ist noch unklar)
- zusätzliche Feststellbremse ( wird bei einigen Verkehrsbetrieben, die Magnetfestellbremse akzeptiert. Fragen Sie bei Ihrem örtlichen öffentlichen Verkehrsbetreiber nach! )
- kann rückwärts in den Bus einfahren
- hält Kräfte von bis zu 0,8 G bei Gefahrbremsung aus (Link: https://de.wikipedia.org/wiki/G-Kraft)
- hält 0,5 G Querkräfte bei Kurvenfahrt aus
- muss eine Rampe (auch rückwärts) hochfahren können
- einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen G oder aG besitzen

Ihr Fahrzeug muss passen? Leider sind handelsübliche Elektromobile, die all diese Kriterien erfüllen, aktuell noch so zahlreich wie die Stecknadel im Heuhaufen. Vor allem die Maximallänge von 120 cm macht hier Probleme. Kein Thema für Sie, weil Sie einen zerlegbaren Miniscooter Ihr eigen nennen? Vielleicht doch, falls dieser zwar kompakt genug und vierrädrig ist, aber das dritte Bremssystem (Feststellbremse) vermissen lässt. (Link: https://www.seniorenmobil.org/ratgeber-tipps/senioren-scooter-im-bus-mehr-teilhabe-oder-clevere-mogelpackung).

Freie Fahrt für das kleine Schwarze: Elektromobil Venus 4 Sport Mini

Ihre Mobilität ist unser Anliegen: Wieder einmal wird der belgische Traditionshersteller Vermeiren seinem Slogan gerecht und präsentiert eine Lösung: Die Chancen für sein Elektromobil Venus 4 Sport Mini, in Bus und Bahn mitzufahren, stehen sehr gut. Mit 104 cm Gesamtlänge ist dieses fahrstuhlaffine 6 km/h Elektromobil nicht nur wendig genug, sondern mit nur 54 kg ein echtes Leichtgewicht, das trotzdem mit einer Zuladung bis 113 kg erfreut. Auch für den Komfort sorgt Vermeiren: Die Sitzhöhe seines drehbaren Sessels ist zwischen 44 und 54 cm variierbar, die Sitzbreite wird über die Armlehnen verstellt. Es geht in den Urlaub? Mit wenigen Handgriffen - übrigens ohne Werkzeug - in Sitz, Hinterachse, Akkupack und Vorderteil mit Lenksäule zerlegt, packen Sie es am Hebegriff, um es im Kofferraum zu verstauen. Und unterwegs? Klein, aber respektabel, hat Vermeiren diesen Senioren Scooter mit StVO LED-Beleuchtung und selbsterklärendem Cockpit inklusive Ladestandsanzeige ausgestattet. Auch ein Ladegerät liefert der Belgier mit - um die entnehmbaren Bleigel-Akkus an der Wohnungssteckdose anzudocken. Optionales Zubehör wie Halter für Gehstützen, abschließbare Heckbox und passende E-Scooter-Garage (Abdeckhaube) runden das Angebot ab.

Reichweite ausgereizt? Einfach in Bus oder Bahn wechseln

Das Fahrzeug mit verlässlicher Magnetbremse bietet einen 350 Watt Motor und eine Reichweite von 12 km - was das Elektromobil Venus 4 Sport Mini zu einem idealen Fahrzeug für einen Ausflug mit dem Enkel und Besorgungen im näheren Umkreis (Korb ist inklusive) macht. Anders als bei vielen Vergleichbaren ist hier aber nicht Schluss: Müssen Sie größere Entfernungen zurücklegen, steigt dieses Senioren Elektromobil einfach in Bus oder Bahn um. Auch hier mit gewissen Einschränkungen: Leider bestehen einige Verkehrsbetriebe dennoch auf einer Vierradbremse - während Kinderwagen oder Fahrräder sogar ohne Nachweis einer Feststellbremse befördert werden.

Elektromobil zu lang: Nur Zentimeter trennen vom Recht auf Teilhabe

Im rheinländischen, kleinstädtisch-malerischen Much möchte auch Dagmar Opolka gern für die Fahrt in die Großstadt vom Rollstuhl auf ihr kassenfinanziertes Senioren Elektromobil umsteigen, wie der Kölner Stadtanzeuger im April berichtete (Link: http://www.ksta.de/region/rhein-sieg-bonn/berggemeinden/linienbusse-posse-um-e-scooter---neun-zentimeter-verhindern-mobilitaet-26772372). Bislang ein Wunschtraum, denn das Elektromobil ist für die Linienbusse der Rhein-Sieg Verkehrsgesellschaft (RSVG) neun Zentimeter zu lang. Für Frau Opolkas Ehemann unverständlich, er hält das Seniorenmobil für sicher: Lasse man den Gashebel los, bremse das Invacare direkt ab, der tiefe Schwerpunkt mache ein Umkippen praktisch unmöglich. Der Hersteller dazu: Ja, das Modell sei zu lang, aber dies träfe auf 95 Prozent aller in Deutschland verkauften Elektromobile zu - und kritisiert den Erlass als "zu eng gefasst". Auch fehlten Konzepte - etwa für Übergangsfristen, um die Empfehlungen umzusetzen. Hinzu kommt, dass längst nicht alle Linienbusse mit groß dimensionierten Rollstuhlplätzen (mit Haltebügel zur Gangseite hin) ausgestattet sind. Bis dahin ist die sichere E-Scooter-Beförderung offiziell nicht gewährleistet und es heißt weiter: Auf Gehwegen, in Geschäften und in Fahrstühlen sind die allermeisten Elektromobile gern gesehen - aber nicht im öffentlichen Nahverkehr.

07.12.17 Neue Informationen: Leider sind bislang viele Scooterfahrer die Mitnahme im Bus verweigert worden, da die Verkehrsbetriebe auf eine Zusatz-Feststellbremse pochen oder einen Schwerbehindertenausweis sehen wollen. Nach unseren Erkenntnissen, beschäftigt sich nun ein Hersteller von Scooter, dies schnellsmöglich zu lösen und das passende Fahrzeug auf den Markt zu bringen.

 

 

 
 
 
 

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