Elektromobil, was muß ich im Straßenverkehr beachten ?

Elektromobil, Pedelec & Co.: Was Sie im Straßenverkehr beachten sollten

Einfach losbrausen, über Gehweg, Wald und Feld, alles Wichtige im Gepäck! Ein Traum, den sich immer mehr Senioren erfüllen - mit dem Kauf von Elektromobil, E-Scooter oder Pedelec. Die StVO holt ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurück: Was müssen E-Scooter Fahrer im Straßenverkehr beachten? Wer hat Vorrang am Zebrastreifen? Und was gilt speziell für mein Elektrofahrzeug - bei Zulassung, Versicherung und Führerschein?

Elektromobile: Wo dürfen sie fahren?

Wie der Name schon sagt: Vorrang an Fußgängerüberweg bzw. Zebrastreifen haben alle, die zu Fuß unterwegs sind! Platt gesagt, auch Fahrer von Rollstuhl und Krankenfahrstuhl - ganz einfach, weil diesen das Zufußgehen nicht offen steht. Weshalb Radfahrer absteigen und ihren Drahtesel schieben müssen. Aber ebenso wie ein Fußgänger darf ein Krankenfahrstuhl dort, wo kein Bürgersteig ist, die Straße nutzen - in Ermangelung sinnvoller Alternativen. E-Scooter stehen öffentliche Wege und Plätze offen, wobei § 24 Straßenverkehrsordnung (StVO) auf Gehwegen und in Fußgängerzonen Schrittgeschwindigkeit vorsieht.

Wer darf Krankenfahrstuhl und 25er fahren?

Als Krankenfahrstuhl gelten laut § 4 Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) einsitzige Kraftfahrzeuge (also keine Zweisitzer mit Kabine). Maximal 110 cm breit, sind sie nicht schneller als 15 km/h und wiegen einschließlich Akku, aber ohne Fahrer unter 300 kg (insgesamt höchstens 500 kg). Ein Fahrzeug mit Elektroantrieb, das für Körperbehinderte geeignet ist, aber prinzipiell jeder - mit wenigen Ausnahmen - fahren darf. Ein Führerschein ist nicht notwendig, wohl aber - nach § 10 FeV - ein Mindestalter von 15 Jahren, sofern Sie schneller als mit 10 km/h unterwegs sein möchten. Darunter gibt es keine Beschränkungen: Auch ein behinderter Zehnjähriger darf ein solches Elektromobil fahren. Aber - da waren doch diese schnuckeligen Autos mit dem 25 km/h Aufkleber am Heck, die auch mit Verbrennungsmotor fuhren? Seit 2002 dürfen neue Elektromobile nur noch 15 km/h machen. Aber: Laut § 76 FeV gilt für diese zweisitzigen "25er" ein Übergangsrecht - und damit Bestandsschutz für Menschen, die noch über eine Prüfbescheinigung für Krankenfahrstühle nach § 5 Absatz 4 verfügen. Sie dürfen ihr Auto (durch Bauart bestimmte Höchstgeschwindigkeit über 10 km/h, bis maximal 30 km) weiter führen, sofern sie dieses bis zum 30. Juni 1999 erstmals in den Verkehr nahmen - und durch Krankheit oder Behinderung darauf angewiesen sind.

Pedelecs - Fahrräder oder was?

E-Bikes, Pedelecs, S-Pedelecs: Seit 2003 sind EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet, dazu gültige EU-Richtlinien in ihre Gesetzgebung zu integrieren. Um ein wenig Ordnung ins Begriffschaos zu bringen: Ein Pedelec ist k e i n E-Bike, sondern steht für Pedal Electric Cycle - und meint damit über 90 Prozent aller elektrisch unterstützten Zweiräder. Die Unterstützung beim Treten beträgt höchstens 25 km/h, etwas Toleranz draufgerechnet, bei einer Motor-Dauerleistung von 250 Watt. Auf Deutsch: Pedelecs sind Fahrräder! Zulassung, Helm und Führerschein brauchen Sie hier nicht. Auch Modelle mit Anfahrhilfe bis 6 km/h gehören (seit 2013) dazu.

S-Pedelecs: Die Schnelleren

Bis 45 km/h zügig bei 500 Watt Nennleistung (Schweiz 600 Watt) unterwegs, ist hier eine Anfahrhilfe ohne Muskelkraft bis 18 km/h gestattet. Um S-Pedelecs zu fahren, müssen Sie mindestens 16 Jahre alt sein - und über einen Führerschein der Klasse AM (bzw. PKW-Führerschein) verfügen. Glücklich alle, die vor dem 1. April 1965 geboren wurden - hier entfällt der Zwang der Fahrerlaubnis. Haftpflichtversicherung und Kennzeichen sind dagegen Pflicht. Und, anders als Pedelecs sind S-Pedelecs keine Fahrräder - also runter vom Radweg, auch außerorts, ebenso von Wegen, die für Mofas freigegeben sind! Auch, wer hier Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung benutzt, macht sich strafbar. Kinder im Anhänger mitnehmen? Beim S-Pedelec verboten, am normalen Pedelec okay. Mitnahme des S-Pedelec im ÖPNV? Nach Bundesland unterschiedlich geregelt.

Unterschiedlich geregelt: E-Pedelec vs. E-Bike bzw. Leichtmofa

Zusätzlich stellt die Betriebserlaubnis einige Anforderungen, was sicherheitsrelevante Bauteile wie Spiegel- und Dauerlichtpflicht, Räder, Bremsen oder Reflektoren angeht. Helmpflicht? Aber ja - der Fahrradhelm genügt in Deutschland, nicht aber in Italien oder Holland. Ein Gläschen zuviel? Wie beim Autofahren wird es bei 0,5 Promille generell, bei Unfall bei 0,3 brenzlig. Aber was ist denn nun ein E-Bike? Elektro-Leichtmofas bzw. Kleinkrafträder machen einen recht geringen Marktanteil aus - und fahren sich bei max. 20 km/h und 500 Watt max. Motorleistung, ohne zu treten. Die Leistungssteuerung erfolgt mittels E-Gasgriff. Ein Schild, auf dem "E-Bike frei" steht? Seit 1. Januar 2017 dürfen Sie Ihr Leichtmofa dort fahren, aber nicht Ihr S-Pedelec. 

Noch einmal, zum Mitschreiben: Papiere, Papiere ...

Fahrzeuge unter 6 km/h brauchen weder Betriebserlaubnis noch Haftpflichtversicherung, trotzdem kann HMMso nur empfehlen, letztere abzuschließen bzw. das Elektromobil in die bestehende Privathaftpflicht mit aufzunehmen. Seniorenmobile bzw. Krankenfahrstühle über 6 km/h benötigen eine Betriebserlaubnis - alternativ kann bereits eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) mitgeliefert werden. Außerdem haftpflichtversichert, trägt Ihr E-Scooter sein eigenes, reflektierendes Kennzeichen nach §18 Abs. 2 Nr. 5 StVZO an der Rückseite. Dagegen hat der Gesetzgeber Führer von Krankenfahrstühlen mit Elektroantrieb mit bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h von der Erlaubnis- und Ausweispflicht befreit. Und, hurra, kein Gurt, keine Helmpflicht! Beides empfiehlt sich aber zur eigenen Sicherheit, viele E-Scooter sind bereits werkseitig mit Sicherheitsgurt ausgerüstet.

Alles (start-)klar? Bereit und körperlich in der Lage, sich souverän im Straßenverkehr zu bewegen? Als Mensch mit Mobilitätseinschränkung haben Sie Rechte - fordern Sie diese selbstbewusst ein. Denn: Krankenfahrstuhlfahrer sind Fußgänger - auf vier (oder drei) Rädern!

Sie möchten mehr über Gesetze für Seniorenmobile erfahren: 

Senioren Scooter sind Krankenfahrstühle! Gesetze, die Sie kennen sollten

 

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