Lässige Segways - Seniorenmobile der Zukunft?

Preisfrage: Was wird immer häufiger auf Messen und Flughäfen gesichtet und verwandelt Füße in zwei Rollen? Richtig, der Segway! Der Neuheitswert dieser innovativen Fortbewegungsform verführt. Aber ist der stehend gefahrene Einachser geeignet, Senioren mit neuem Selbstbewusstsein auszustatten, was Mobilität angeht? Andererseits warnten einige Skeptiker bereits 2002 vor dem so genannten "Rentner-Killer". Der Segway - Gewinn oder Risiko im Bereich Seniorenmobilität?

Was ist ein Segway?

2001 in den USA marktreif, ist Segway seit 2015 nach Patentgerangel in chinesischer Hand - von Ninebot. Der Fahrer des Einpersonen-Gefährts steht - etwa 25 cm über Straßenniveau - mittig auf einer Plattform zwischen zwei Rädern, die Hände fest an der Lenkstange. Neigt er sich nach vorn, hinten oder zur Seite, bewegt sich der Segway intuitiv in diese Richtung. Betrieben wird der Einachser über zwei Elektromotoren, die 20 km/h bringen. Das Geheimnis: Ein elektronischer Regelkreis, der Fortbewegung durch reine Gewichtsverlagerung ermöglicht. Ursprünglich wurde sein Prinzip der dynamischen Stabilisierung für einen Rollstuhl erfunden, der Treppen überwindet und seinen Benutzer auf Augenhöhe mit stehenden Gesprächspartnern hebt. Nun sollte der Segway als Alltagsfahrzeug Innenstädte vom Autoaufkommen entlasten, weshalb das Unternehmen nicht davor zurückschreckte, sein Fahrzeug als Mobilitätshilfe nach Art eines stehenden Rollstuhls zu bewerben, um auch in Deutschland die Zulassung für den Gehweg zu erreichen.

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Segway: Auf deutschen Gehwegen unerwünscht

Das Problem: Eine Zulassung des Segways auf Gehwegen hätte einen Präzedenzfall zur allgemeine Zulassung weiterer Seniorenmobile wie leistungsstarker E-Scooter geschaffen. Und wie sollte der Gesetzgeber dann plausibel machen, dass das Befahren mit dem Fahrrad weiterhin verboten ist? So war die Mobilitätshilfenverordnung 2009 (MobHV) eindeutig: Außer Elektrorollern (Krankenfahrstühlen) und Rollstühlen hat Motorisiertes nichts auf dem Bürgersteig verloren! Ansonsten ist die Segway-Nutzung deutschlandweit erlaubt; zum Betrieb ist ein Mofa-Führerschein (ausgenommen Jahrgänge bis 1964) und eine Versicherung vorgeschrieben. Fehlt diese, drohen Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr gemäß § 6 PflVG. Das Fahren ist nur auf Schutz- und Radfahrstreifen und Radwegen erlaubt. Wo diese fehlen, darf der Segway innerorts auf die Fahrbahn - außerorts allerdings nicht auf Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen (§ 7 MobHV). Auch haben Städte wie München die Mitnahme im öffentlichen Nahverkehr verboten. Bleiben eine Reihe von Nischenmärkten: In einigen Städten zeigt sich der Segway PT bei touristischen Stadtrundfahrten - mit Sondererlaubnis.

Seniorenmobilität mit Segway: Aus Füßen werden Rollen

Aktivurlauber, die lieber auf zwei Rädern als zwei Beinen unterwegs sind, können mit einem Segway eine neue Art der Fortbewegung entdecken. Mit 20 km/h durch die Bergwelt von Tirol auf geführter Senioren-Tour? Oder das Segway-Fahren bei einer Stadtrundfahrt (nach Einweisung ins Gerät und Übungsrunden) ohne Hektik und Stress in der Kleingruppe kennen lernen? Sicher einen Versuch wert.

Neben seinem Innovationscharakter punktet das Gefährt mit umweltbewusst-geringen 14 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer - ein Zehntel eines Pkw. Auf 100 km verbraucht der Segway 3 kWh, um bei Bergabfahrt sogar elektrische Energie rückzugewinnen, die dann in den Akkus gespeichert wird. Nett auch der Mini-Wendekreis dieser Seniorenmobile, der es erlaubt, direkt auf der Stelle zu drehen.

Das haut den stärksten Rentner um!

Ein Test mit uniformierten Polizeibeamten ergab: Zwei Drittel der fortgeschrittenen Testfahrer schaffte es nicht, die in Rahmen von Fahrzeugzulassungen vorgeschriebenen Verzögerungswerte bei Notbremsung zu erfüllen. So maß man Anhaltewege von bis zu 4 Metern, bei Anfängern sogar bis zu 7,50 Meter. Auch rollte Segway noch mindestens zehn Meter, nachdem sein Fahrer abgesprungen war. 60 Prozent der Testpersonen forderten Helme für Segway-Fahrer.

Sogar US-Präsident George W. Bush konnte 2003 nur ein Sprung vor dem Aufprall retten - sein Segway fuhr trotz als intelligent beworbenem Netzwerk aus Sensoren, Mechanik und Kontrollsystemen autonom weiter. Kein Wunder - bremsen bei 20 km/h kann einen buchstäblich vom Bock hauen, und alte Knochen brechen schnell! Auch Ausweichen ist wegen des kleinen Radstands schwierig - der Segway kippt. Problematisch auch die Steuerung durch reine Gewichtsverlagerung, ohne Bedienelemente zum Bremsen oder Beschleunigen.

Segways ersetzen Seniorenmobile?

Weder - mit um 50 kg - leichtgewichtig, noch für Senioren leicht zu handhaben: Um den Zweirädrigen richtig zu bedienen, sind volle Beweglichkeit und ein guter Gleichgewichtssinn Voraussetzung. Und Senioren müssen Stehvermögen beweisen. Dass sie damit Probleme haben, ist allerdings der Grund, weshalb viele Seniorenmobile wie E-Scooter oder Rollstuhl benutzen ... Es sei denn, sie haben Zugang zu dem an der Uni Kassel entwickelten Einachser-Prototyp mit Sitzbank für Zwei, der leider in den Abmessungen etwas ausladend ist.

Manche Expertenstimmen halten den Segway wegen des langen, bewegungslosen Stehens für ungesund - er fördere Inaktivität und Fettleibigkeit. Auch sei er dem Rollator nicht vorzuziehen, da er die Erschlaffung von Muskulatur, Sehnenapparat und Gelenken befördere. Dagegen unterstütze ein Rollator Bewegungen, die dem Körper gut täten und er sei auch bei verminderter Aufmerksamkeit noch zu nutzen. Der Segway hingegen erfordere volle Konzentration - vor allem bei höherer Geschwindigkeit. Weiterer Nachteil: Nennenswertes Gepäck lässt sich hier nicht befördern. HMMso Tipp: Warum nicht gleich zum - deutlich preiswerteren! - Mini-Scooter greifen, der sich sogar zusammenklappen bzw. -falten lässt?

HMMso Fazit: Segway just for fun!

Crashtests der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeitigten ein eindeutiges Ergebnis: Segways mit 15 km/h sind eine Gefahr für Fußgänger, nicht zuletzt wegen ihrer großen Gesamtmasse. Etwas, das wir eigentlich schon geahnt haben. Rücksichtslose Fahrer auf Gehwegen gefährden die Fußgänger unter den Senioren, aber auch Sehbehinderte. Ist der Segway also nur ein Spaßmacher, der das kann, was wir sonst zu Fuß oder per Rad tun? Möglicherweise - plötzliches Ausweichen und Bremsen wird nur nach speziellem, ausführlichem Training gemeistert. Fazit: Einige Senioren sind mit der Benutzung dieses Hightech-Rollers wahrscheinlich überfordert. Allen anderen wünscht HMMso: Viel Spaß beim Ausprobieren - unter Anleitung, versteht sich ...!

 

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