Senioren Studien: Bedürfnisse nach Mobilität erkennen und erfüllen

Mobil sein - ein Grundbedürfnis: Ohne Mobilität wird nicht nur Selbstversorgung, sondern auch soziale Teilhabe schwierig. Leider stellen sich mit zunehmendem Alter Barrieren in den Weg, so dass sich ältere Menschen in Bewegungsräume zurückziehen, die sie weiterhin beherrschen können. Aber auch Veränderungen des gewohnten Mobilitätsumfelds bewirken, dass sich Senioren weniger leicht zurechtfinden. Wie sieht eine Welt aus, die Bedürfnisse Älterer nach Mobilität erfüllt - und welche sind dies überhaupt?

COMPAGNO-mobil.de Projekt: Chancen für Senioren

Auch hochbetagte Menschen in selbstständiger Mobilität unterstützen? Eine Reihe nationaler und internationaler Projekte beschäftigt diese Frage - COMPAGNO, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), ist eines davon. Dabei steht COMPAGNO für die Idee eines personalisierten, elektronischen Begleiters, der Senioren die Nutzung lokaler und regionaler Mobilitätschancen von Ausgangspunkt bis Zielort, Fußweg über Nahverkehr bis zur Nutzung von Hilfsmitteln ermöglichen soll (Link: http://compagno-mobil.de) - angstfrei, sicher und komfortabel, auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten. Das Positionspapier "Mobilität älterer Menschen" (hier als PFD zum Download: http://www.isoe.de/uploads/media/dp-36-isoe-2013.pdf) gibt einen Überblick über den Forschungsstand zum Thema und zeigt Veränderungen von Mobilität auf, die sich im Laufe des Alterns ergeben.

Rückzug ins Private - aus Mangel an Angeboten

Das internationale Projekt "Erhaltung von Mobilität zur sozialen Teilhabe im Alter" fragte Senioren in Italien, Deutschland und Finnland nach ihrem tatsächlichen Verkehrsverhalten: Wie stark tragen äußere Bedingungen und Gesundheitsprobleme dazu bei, dass Senioren weniger unterwegs sind, sich zurückziehen? Wie stark ist der Wunsch, mobiler zu sein? Und woran scheitert die Umsetzung dieses Wunsches? Interviews und Mobilitätstagebücher brachten ans Licht: Wer im Alter mobil sein kann, erfährt wesentlich mehr Lebensqualität. Aber körperliche Beeinträchtigungen und das Fehlen von Verkehrsmitteln, auch Auto, Senioren Scooter etc., stehen dem entgegen. Projektfazit: Niemand entscheidet sich freiwillig zum Rückzug, er wird dazu gezwungen - und fügt sich in sein Schicksal. Studien wie FRAME8 fragten darüber hinaus, wie sich der jeweilige Wohnstandort in Stadt und Land mit Umfeld und Transportangeboten auswirkt. Man befragte 30 ausgewählte Haushalte per Interview plus 4.500 mittels Fragenbogen, zur Wohnumfeldsqualität, Umgang mit Verkehrsmitteln sowie Freizeitaktivitäten. Das Ergebnis: Auf dem Land oder direkt in der Stadt (urban) lebende Senioren waren weniger aktiv als solche, die dazwischen (suburban) wohnten. Ein Grund: Mobilität wird für Senioren, die auf Alternativen zum Auto angewiesen sind, zum Problem, so eine aktuelle ADAC-Studie - aber attraktive Angebote sind Mangelware.

Wie altersfreundlich sind unsere Städte?

Auch MOBIAL10 untersuchte Verkehrsverhalten und Mobilitätsbedürfnisse - und berücksichtigte hier insbesondere, ob alte Menschen als Fußgänger, Radfahrer, Nutzer von Bus und Bahn oder als Auto- und Motorradfahrer unterwegs waren - auch unter Unfallaspekten. Befragungen von über 1.200 Menschen über 60 ergaben: Zwar ist Zufußgehen für Senioren wichtiger als für Jüngere, aber viele ältere Verkehrsteilnehmer fühlen sich überfordert, die Angst vor Unfällen und davor, Opfer von Kriminalität zu werden, steigt. Gleichzeitig wächst die Nutzung des ÖPNV, aber auch die Tendenz, diese Nutzung aufgrund ihrer Kompliziertheit zu meiden. Was lässt sich besser machen? Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) wollte dies 2011 wissen - und fragte nach der Alternsfreundlichkeit von Städten: Fast 2000 Menschen füllten den - auch online verfügbaren - Fragebogen aus: Zu wenig Sitzgelegenheiten, zu wenige öffentliche Toiletten, rücksichtslose Radfahrer und parkende Autos auf dem Gehweg! Auch komplizierte Fahrkartenautomaten und zu kurze Ampelphasen machten Probleme. Positiv vermerkt wurden Verbesserungen bei Kultur und sozialer Begegnung, bei bereits geschaffenen Sitzgelegenheiten, verbesserten Gehwegen und einem altengerechteren ÖPNV.

Auto, Rad oder zu Fuß? Mobilitätstypen

Wie junge Menschen unterscheiden sich auch Senioren in ihren Mobilitätsbedürfnissen, weshalb aktuelle Forschung spezifische Mobilitätsstile identifizierte - wie das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS). Die ILS-Studie unterscheidet vier Mobilitätstypen - wie "Pkw-Fixierte", die sich von ÖPNV, Radfahren und Zufußgehen distanzieren, aber, obwohl sie nicht überdurchschnittlich viel Auto fahren, mit ihrer Mobilität zufrieden sind. Einen weiteren Typus stellen die "Jungen wohlhabenden Mobilen" dar, die sich durch hohe Pkw-Verfügbarkeit und jährliche Kilometerleistung auszeichnen. Als eine dritte Gruppe identifizierte ILS die "Selbstbestimmt Mobilen", die bei hoher Pkw-Verfügbarkeit mit ihren Mobilitätsmöglichkeiten am zufriedensten, aber dennoch weiteren Verkehrsmitteln (wie Senioren Scooter) gegenüber aufgeschlossen sind. Und der vierte Typ? Unter den "ÖV-Zwangsnutzern" sind nur wenige Führerscheininhaber und wenige Pkw-Besitzer, der Frauenanteil ist hoch.

GOAL Profile: Wer sind Sie?

GOAL, dessen Ziel innovative Lösungen sind, geht noch einen Schritt weiter - und schaut neben dem Transportmittel auf die Affinität Älterer zu Informationstechnologie, auf deren Einkommenshöhe sowie Handicaps. Und identifiziert dazu fünf Profile: "Fit as a Fiddle" meint jüngere, körperlich aktive, zumeist männliche Senioren mit höherem Einkommen, viele davon noch im Job und gut, auch im Internet, vernetzt. Nicht mehr im Auto unterwegs als der Rest der Bevölkerung, sind sie mit Autonomie und Lebensqualität zufrieden. Relativ fit zeigen sich alle unter dem Label "An Oldie but a Goodie" - in der Mehrzahl alleinstehende Frauen zwischen 80 und 90, die zu Fuß gehen und den ÖPNV nutzen - für kurze, wenige Wege außerhalb der Hauptverkehrszeiten. Ihre Zufriedenheit trägt dazu bei, dass sie gesund und mobil bleiben - für neue Technologien sind sie dagegenb nicht zu haben. Auch der Typ "Care-Full" ist hochbetagt, aber sieht und hört schlecht, leidet an Demenz oder Parkinson. Sozial eher isoliert, sind diese Senioren, wenn überhaupt, nur per Fahrdienst oder mit Familienangehörigen außer Haus unterwegs. Auch beim - mit 50 bis 75 Jahren deutlich jüngeren - "Hole in the Heart" ebnen Einschränkungen der Mobilität sozialer Ausgrenzung den Weg: Chronische Krankheiten schränken seine Aktivitäten ein, Depressionen und Einsamkeit im Gepäck. Für ihn ist das Auto komfortabler als der ÖPNV, um seine wenigen, kurzen Wege zurückzulegen. Welten liegen zwischen ihm und dem Mobilitätstyp "Happily Connected", mit 60 bis 75 etwa gleichen Alters. In Paarbeziehungen lebend, stehen für diese, für neue Technologien offenen, Senioren Fitness, Mobilität, Familie und soziale Aktivitäten im Zentrum. Dies hält sie bei guter Gesundheit und macht lebenszufrieden. "Happily Connected" fährt hauptsächlich Auto (meist der Mann), aber ungern zu Stoßzeiten oder nachts.

Persönliche Barrierefreiheit: Sprechende Haltestellen und mehr ...

Fazit: Auch Senioren sind keine homogene Gruppe, sondern pflegen spezifische Lebensstile, wobei "Fit as a Fiddle", "Happily Connected" und "Hole in the Heart" als bevorzugte Zielgruppen für den elektronischen Helfer COMPAGNO ausgemacht wurden. Von dem besonders Alleinstehende ohne Pkw sowie ÖPV-Nutzer profitieren. Sie können den kleingedruckten, unbeleuchteten Fahrplan nicht lesen? COMPAGNO entpuppt sich als sprechende Haltestelle - selbst barrierefrei, weil einfach zu bedienen. In der Praxis sind Barrierefaktoren und Barriereklassen der Umwelt für Kartierung, Routing und persönliche Profile des COMPAGNO zentral, z. B.: Können Sie als Nutzer Treppen steigen? In Testläufen wie in Neustadt an der Weinstraße geben Nutzer Feedback: Wie praktikabel ist das System aus technischen Assistenzsystemen, ÖPNV und Helfern? Barrieren wie Treppen sind hier Teil einer umfangreichen Datenbank. Fazit: Mobilitätsbedürfnisse lassen sich erfüllen - aber nur dort, wo man personen- und umweltbezogene Faktoren gleichermaßen berücksichtigt!

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