What a wonderful world! Elektromobile im Aufwind

Ohne Gesundheitsgefährdung mitten in der Pariser City tief durchatmen, Elektromobile, die nicht nur in China, sondern auch in Deutschland stinkende Benziner aufs Abstellgleis schieben. Selbstsichere Gehbehinderte, die entspannt entlang- und ebenerdig in jedes Geschäft hineingleiten. Und 90-Jährige, die sich auf ihrem E-Scooter so pudelwohl fühlen, dass Sie lostouren, um anderen zu helfen. Ein Traum? Nein, denn es bewegt sich was: Zum Ferienbeginn 2016 nimmt das Thema E-Mobilität erst richtig Fahrt auf ...

App an E-Scooter oder: Grün statt Grau!

Eine Flotte aus 150 Elektro-Scootern setzt Zeichen - ab sofort heißt das Mittel gegen dicke Pariser Luft Leih-Elektromobil, und das in der ganzen Stadt. Schließlich sterben weltweit 5,5 Millionen Menschen pro Jahr durch Feinstaub-Smog - auch die Pariser Werte im Sommer 2015 waren alarmierend: Neben Lkw- und Busverbot in der City schränkte die Hauptstadt auch die Autonutzung werktags ein. Das Projekt Cityscoot lokalisiert den nächsten E-Roller um die Ecke, per App und Geo-Ortung. Gefunden! Ein vierstelliger Code schaltet das Elektromobil frei, der Helm ist mit im Paket. Und nach Fahrtende? Darf das E-Mobil auf jedem Roller-Parkplatz abgestellt werden. Ganze 1000 - mit 45 km/h recht schnelle - E-Roller peilt Paris für 2017 an, die ihre Nutzer im Umkreis von gut 70 Kilometern voranbringen. Als zweite Etappe sollen im November weitere 350 Fahrzeuge draufgelegt werden.

China: Billigroller für alle

China scheint hier weiter, zumindest bei der Zahl der Elektromobile: Über 60 Millionen E-Scooter sind aktuell dort unterwegs, 20 Millionen werden pro Jahr produziert - dagegen nehmen sich die Vorgaben des Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität der Bundesregierung - eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 - wie Peanuts aus. Ein Anfang zwar, aber weit von in China produzierten E-Mobilen entfernt, die dreimal weniger CO2 ausstoßen als ein Linienbus (auf den Passagier gerechnet). Wie machen sie das, die Chinesen? Nun, die leichtgewichtigen, leichtgebauten E-Mobile fahren lediglich 20 km/h. Leider sind Bleiakkus die Wehrmutstropfen dieser glänzenden Rechnung: Bis zu 70 Prozent des giftigen Stoffes entweichen bei Produktion und Recycling in die Umwelt. Denn die E-Mobil Technik ist veraltet, die Bleierze von minderer Qualität. Trotzdem wird zugegriffen: Billig mobil und wendig sein, sich am Stau vorbeischlängeln, günstige Anschaffung und Unterhalt sowie die Möglichkeit, den Untersatz in der Hochhauswohnung an der Steckdose aufzutanken, ist attraktiv für viele. Kein staatliches Programm, sondern Eigeninitiative also, die aus der Not defizitären öffentlichen Nahverkehrs eine Tugend macht.

Deutschland: Bahn frei für Elektromobile?

Die Industrienationen haben den Trend erkannt: Deutschland importiert jährlich mehrere Tausend E-Scooter sowie Zehntausende E-Bikes. Angesichts des Preisniveaus noch Liebhabergefährte einer umweltbewussten städtischen Avantgarde, aber glaubt man aktuellen Markttrends, dürfte der Preis bald Anreiz für breitere Käuferschichten sein, von Senior bis Enkel. Es muss ja nicht der Chinaroller eines bekannten Kaffeerösters für 1600 Euro sein ... Denn wer sagt, dass es sich im Entwicklungsplan der Bundesregierung um Elektroautos handelt? Dort ist lediglich von E-Fahrzeugen die Rede, die Zahl ihrer Räder kein Thema - also Bahn frei für Seniorenmobil und Dreirad, oder? Nun, bislang nicht wirklich, weshalb Behindertenbeauftragte von Bund und Ländern in ihrer Erklärung von Anfang Juni erneut fordern, endlich den E-Scooter-Transport in Linienbussen zu realisieren: Fehlende Rahmenbedingungen müssten durch Busunternehmen und die Hersteller von Hilfsmitteln geschaffen werden, da es keine nachvollziehbaren Gründe gebe, diese Nutzer pauschal von der Beförderung auszuschließen. Aktuell nehmen die Mehrzahl der Linienbusse und Stadtbahnen auf Empfehlung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen keine Elektromobile mit - aus Sicherheits- und Haftungsgründen, da Sicherungshalterungen noch immer fehlen.

Von Ratzeburg nach Kiel - mit dem Elektromobil

Während mobile Teilhabe für alle im bundesdeutschen Nahverkehr noch auf sich warten lässt, läutet die Firma Pride, Hersteller innovativer Elektromobile, mit dem futuristisch anmutenden Elektrorollstuhl Jazzy Air® eine neue Ära sozialer Mobilität ein. Das Besondere? Jazzy fährt in 16 Sekunden auf Höhe stehender Personen und erlaubt es so, mit anderen endlich in Gehgeschwindigkeit auf Augenhöhe zu kommunizieren und als Paar wieder Arm in Arm zu gehen. Etwa zeitgleich vor dem Ratzeburger Rathaus: Rentnerin Annliese Kahl (89) startet ihr Elektromobil, genannt "Feuerstuhl". Ziel: Vom 11. bis 13. Juni auf einer Tour von Ratzeburg nach Kiel Spenden für den schleswig-holsteinischen "Wünschewagen" des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) (wuenschewagen.net) zu sammeln. So passierte das fahrende Symbol selbstbewusster Senioren-Mobilität den Lübecker Markt, Bad Schwartau und Timmendorfer Strand, um anschließend die Bäderstraße Richtung Neustadt, Eutin und Plön entlangzurollen - streckenweise durch die Lokalpolitik auf Drahteseln begleitet.

Das Ergebnis: 2.100 Euro für den Wagen, der "letzte Wünsche wagt", nämlich Menschen, die nur noch kurz zu leben haben, kostenlos und pflegerisch betreut - und sie von jedem Ort in Schleswig-Holstein zu ihrem Wunschziel bringt. Fazit? Die Vision von einer auto- und barrierefreien (Um-)Welt bei Teilhabe aller braucht ihre Zeit, aber ist auf dem Weg - einem Weg vieler kleiner Schritte.

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