Urlaub: was Horst B. und Ernst S. mit den Senioren Elektromobilen erlebten!

Senioren unterwegs oder Worauf Horst B. und Ernst S. wirklich fliegen

Mit dem Scooter in den Flieger! Unglaublich, was man da alles erlebt - wahr ist es trotzdem. Also, ich fahre einen dieser extrem leichten, sehr kompakten Reisescooter. Das Beste für einen wie mich, dessen Füße nicht mehr richtig mitmachen. Ansonsten bin ich aber noch recht fit - von einem etwas steifen Bein, meinem persönlichen Andenken an einen Fahrradunfall, mal abgesehen. Weshalb für mich im Moment auch ein Seniorenfahrzeug ohne Hilfsmittelnummer (es ist kein medizinisches Gerät) reicht. Falls die Arthritis mal schlimmer wird, kann ich immer noch aufrüsten. Mein Scooter musste also einfach mit, hat sogar eine Halterung für die Krücke. Apropos, da fällt mir ein ... doch dazu später. Jetzt habe ich wieder Freude am Fahren! Und ein Regenschirm kann sich nicht dünner machen: Ich löse einfach Batterie und Sitz und klappe den Rahmen zusammen.

Habe ich schon gesagt, dass mein Freund Ernst und sein Miniscooter mit von der Partie sind? Es ist schon sein zweiter Luggie, denn ein paar Pfund Gewichtszunahme zwangen ihn, sich den motorstärkeren Luggie Elite anzuschaffen. Wir also im Cockpit von Ernsts Golf, unsere beiden Reisescooter zusammen hinten im Kofferraum, Senioren unterwegs zum Flughafen. Gefragt, wo er den Transportkoffer hat, sagt er nur: "Geklaut." Später kommt raus, dass sein Enkel der Dieb ist - und auf der Hartschale private Rodelrennen fährt.

Sei's drum, wir sind am Airport, Kalifornien rückt in greifbare Nähe! Also aufs Seniorenfahrzeug aufgesessen, während uns unsere Koffer zum Terminal hinterherrollen. Gar nicht so einfach, Ernst hat so seine Probleme mit dem einarmigen Fahren - und direkt einen Crash mit einer jungen Rucksackträgerin. Aber sonst geht alles glatt, über barrierefreie Wege und selbstständig von Ebene zu Ebene, parallel halten wir nach dem internationalen Behindertensymbol Ausschau. Macht ja richtig Freude! Mein Handgepäck sicher auf der Reisescooter-Gepäckplane, rolle ich fröhlich zur Schlange am Check-In, Ernst mir nach. Ganze Männer, richten wir uns hier selbstbewusst zu voller Lebensgröße auf. Und stehen, stehen, stehen ... sieht denn hier keiner, dass hier gehbehinderte Senioren unterwegs sind? Bis uns aufgeht, dass ein Check-In auf Augenhöhe die Prozedur beschleunigt hätte, dürfen wir endlich Richtung Gate fahren.

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Schon bald zeigt sich leider: Ein alter Hund lernt keine neuen Tricks mehr! Lernresistent, wie ich anscheinend bin, bleibe ich beim Sicherheits-Check diesmal auf meinen vier Buchstaben sitzen, statt aufrecht durch die Schleuse zu gehen. Das Ende vom Lied? Sie ahnen es schon, Herr Oppel, dann wird man individuell überprüft - und das Seniorenfahrzeug sowieso. Der Kontrollpunkt scheint mich wirklich zu hassen: Kriegen Sie mal die Batterie durch die Schleuse, bitteschön! Piep-Piep ohne Ende. Und Leute, die Werkzeug brauchen, um die Batterie vom Seniorenfahrzeug abzukriegen, haben richtig Pech, so was gab es dort nicht. Zum Glück geht das bei meinem mit einem Handgriff - abgeklemmt und ins Handgepäck damit. Vorausgesetzt, die Batterien sind für den Lufttransport zugelassen und auslaufsicher, aber wenigstens habe ich die Beförderungsbedingungen vorher studiert! Hilft aber nur, sofern das Personal einheitlich in die Materie eingewiesen ist. So habe ich mir sagen lassen, dass Lithiumbatterien feuergefährlich seien - weiß nicht, ob das überhaupt stimmt? Trotzdem durfte mein Reisescooter mit seinen 24 Gramm Lithium in den US-Flieger, nach ein paar Wortwechseln. Falls Sie es mir nachtun wollen, nehmen Sie lieber ein Dokument mit, das alles haarklein belegt.

Endlich! Die Security-Dame zieht den Reisescooter durch die Schleuse - und tastet ihn von oben bis unten ab. Wonach sucht sie? Und Ernst meint: "Ich wünschte, mich würde mal eine so abtasten ..." Schließlich reibt sie das Fahrzeug noch mit einem Tuch ab. Herr im Himmel, das dauert! Den Gehstockhalter würdigt sie aber keines Blickes. Wobei mir eine Geschichte einfällt, vielleicht haben Sie das auch gelesen? Bei einem über 80jährigen fand die Polizei am Frankfurter Flughafen ein 39 cm langes Messer in seinem Gehstock, das am abschraubbaren Griff befestigt war. Dazu befragt, gab der Rentner an: "Ich dachte immer, das ist ein Schnapsbehälter." Was nichts half - der Mann aus Wilhelmshaven musste die Reise ohne Gehstock fortsetzen und erhielt eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz obendrauf.

 

Aber zurück zu uns: Ernst ist ja ein Fuchs - und nimmt ganz charmant Blickkontakt zum Personal auf, das uns als Mobilitätseingeschränkte als Erste zum Flugzeug bittet. Außerdem bekommen wir unsere Gate-Check-Anhänger, die garantieren sollen, dass wir unser Seniorenfahrzeug bei Ankunft direkt am Flugsteig wiederkriegen. Freude! Inzwischen haben Ernst und ich es bis in den Jetway geschafft, vor uns ein junger Mann mit Koffer, der uns ungefragt aufklärt: "Das ist ein Micro-Scooter. Der darf mit in die Kabine." Ein Reisescooter im Koffer? Und warum darf der und wir nicht? Wie auch immer, wir sitzen bequem - und freuen uns schon auf das erste Glas Bier. "Es tut sich was," meint Ernst und lockert den Hosenbund. Ganz sicher, es tat sich was, wie mir der Blick von meinem Fensterplatz unschwer enthüllte: Ein rollender Jetway! Und unsere Seniorenmobile noch drin! Zum Glück rettete der Stewart, was noch zu retten war - und unsere kalifornische Mobilität gleich mit. Scooter reingestopft, abgehoben. "Besser, als wenn sie die Scooter als Erstes reinwerfen und alle Koffer obendrauf," kommentiert Ernst trocken.

California, here we come! Wir landen! Am Zielflughafen stehen wir mit den anderen auf - wieder ein Fehler, denn bis alles von Kinderwagen bis Seniorenfahrzeug geliefert wird, dauert es. Aber wo sind die guten Stücke? Sie amüsieren sich - und fahren auf dem Gepäckband Karussell. Freunde, so war das nicht abgemacht ... Eigentlich sollten die Elektromobile an der Flugzeugtür auf Ernst und mich warten. Der Luggie-Sitz hat ein paar Kratzer, aber mein Lenker ist dank gepolstertem Schutz zum Glück unversehrt. "Hätte ich mal vorher ein Foto gemacht!", schimpft mein Freund und seufzt: "Aber an was soll man noch alles denken?"

 

Fazit: Falls Sie jemand fragen sollte, Herr Oppel, Kalifornien war ein Traum! Und ich bin ja schon froh, dass die Airlines Senioren mit eingeschränkter Mobilität nicht einfach abweisen dürfen. Aber was kann man - Deibel noch eins! - tun, um die Zuverlässigkeit der Leute zu erhöhen, die sich um unsere Scooter kümmern sollen, sobald man eingecheckt hat? Schließlich werden Senioren unterwegs ja immer mehr, nicht weniger. Insgesamt ist Mobilität am Flughafen eine gute Sache - man kann einkaufen, etwas zu Essen holen oder direkt in der Buchhandlung Zeitung lesen. Was meinen Sie? Herzliche Grüße nach Wedel! Ihr Horst B.

 

Hinweis: wir bedanken uns diesen Urlaubsbrief und der Genehmigung zur Veröffentlichung

 

 

 

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